Warum ist Neujahr am 1. Januar?
Von den römischen Konsuln bis zur KalenderreformKurz gesagt: Der 1. Januar war in Rom ein Verwaltungstermin. Ab 153 v. Chr. traten die Konsuln an diesem Tag ihr Amt an, und Caesars Kalender übernahm den Termin. Im Mittelalter begann das Jahr vielerorts an Weihnachten, am 25. März oder zu Ostern. Erst im 16. Jahrhundert setzte sich der 1. Januar im deutschen Raum wieder durch, festgelegt von weltlichen Obrigkeiten, nicht von der Kirche.
Von der Redaktion von silvester.in, zuletzt aktualisiert am 29. September 2026


Rom: ein Termin der Verwaltung
Konsuln, Caesar und JanusDas römische Kalenderjahr begann ursprünglich im März. Daran erinnern bis heute die Monatsnamen: September, Oktober, November und Dezember heißen übersetzt der siebte, achte, neunte und zehnte Monat.
Seit 222 v. Chr. traten die Konsuln, die höchsten Beamten Roms, an den Iden des März ihr Amt an. Im Jahr 153 v. Chr. wurde der Termin auf den 1. Januar vorgezogen. Der Grund war ein Aufstand in Hispanien, der Krieg verlangte einen früheren Amtsantritt. Das berichtet der Geschichtsschreiber Livius. Ein römischer Steinkalender, die Fasti Praenestini, vermerkt zum 1. Januar: Das neue Jahr beginnt, weil an diesem Tag die Beamten ihr Amt antreten.
Julius Caesar ließ den Kalender 46 v. Chr. reformieren, das Jahr davor hatte zum Ausgleich 445 Tage. Sein julianischer Kalender trat am 1. Januar 45 v. Chr. in Kraft und übernahm diesen Jahresbeginn. Den Januar verbindet schon die antike Überlieferung mit Janus, dem Gott der Tore und Anfänge. Er wird mit zwei Gesichtern dargestellt, eines blickt zurück, eines nach vorn. Auf den römischen Bronzemünzen, den Assen, war sein Doppelkopf ein festes Motiv.


Im Mittelalter begann das Jahr an vielen Tagen
Weihnachten, März oder OsternNach dem Ende des Römischen Reichs verlor der 1. Januar seine feste Rolle. Im Mittelalter begann das Jahr je nach Ort und Kanzlei an verschiedenen Tagen:
Weihnachten, 25. Dezember: in Deutschland bis ins 16. Jahrhundert verbreitet.
Mariä Verkündigung, 25. März: in Florenz und Pisa bis 1749, in England bis 1751.
1. März: in Venedig bis zum Ende der Republik 1797.
Ostern: vor allem in Frankreich. Weil Ostern auf wechselnde Tage fällt, waren manche Jahre länger als andere.
1. Januar: Auch dieser Jahresanfang blieb vielerorts in Gebrauch.
Wer in alten Urkunden ein Datum aus dem Januar bis März liest, muss deshalb wissen, nach welchem Stil gezählt wurde. Sonst liegt er ein ganzes Jahr daneben.


Wie sich der 1. Januar durchsetzte
Schritt für Schritt, und weltlichDen Jahresbeginn legten nicht die Päpste fest, sondern Städte und weltliche Herrscher, und zwar Schritt für Schritt:
Deutschland: Im 16. Jahrhundert setzte sich der 1. Januar durch. Frankfurt am Main ging zwischen 1542 und 1559 über, Brandenburg datierte 1616 noch nach Weihnachten. Ein einzelnes Gesetz dafür gab es nicht.
Frankreich: per Edikt von 1564, angewendet ab 1567. Oft wird es fälschlich Edikt von Roussillon genannt.
Schottland: ab 1600.
Florenz und Pisa: ab 1750.
England: ab 1752. Das Jahr 1751 begann deshalb noch am 25. März, endete aber schon am 31. Dezember.
Die Kalenderreform von 1582
Ostern ja, Neujahr neinDie bekannteste Kalenderreform hat mit dem Jahresbeginn nichts zu tun. Papst Gregor XIII. ließ 1582 den Kalender korrigieren, weil der julianische Kalender dem Sonnenjahr um zehn Tage hinterherlief. Seine Bulle Inter gravissimas regelte die Schaltjahre und die Berechnung des Osterdatums. Auf Donnerstag, den 4. Oktober 1582, folgte Freitag, der 15. Oktober.
Ein Detail zeigt, wie wenig die Reform mit dem 1. Januar zu tun hatte: Die Bulle selbst ist auf das Jahr 1581 datiert, obwohl sie im Februar 1582 erschien. Die päpstliche Kanzlei zählte die Jahre in Bullen damals noch ab dem 25. März.
Die katholischen Gebiete Deutschlands übernahmen den neuen Kalender 1583 und 1584, die protestantischen erst am 1. März 1700 mit dem „Verbesserten Kalender“. Russland stellte 1918 um, Griechenland 1923.
Altes Neujahr am 14. Januar
Die Folgen der späten UmstellungDie späte Umstellung wirkt bis heute nach. In Russland, Serbien und anderen Ländern mit orthodoxer Tradition feiern viele am 14. Januar das „Alte Neujahr“. Es ist der 1. Januar nach dem julianischen Kalender, der derzeit 13 Tage hinter dem gregorianischen liegt. Im Appenzeller Hinterland in der Schweiz ziehen am 13. Januar, dem „Alten Silvester“, noch einmal die Silvesterchläuse durch die Dörfer.
Neujahrsfeste sind ohnehin viel älter als der 1. Januar. Eines der ältesten belegten ist das mesopotamische Akitu. In Babylon wurde es im Frühjahrsmonat Nisannu gefeiert.
Stimmt das?
Irrtümer zum Jahresbeginn„Papst Innozenz XII. legte 1691 den 1. Januar als Jahresbeginn fest.“
Falsch. Einen solchen Erlass gibt es nicht, weder Bulle noch Breve. Innozenz wurde erst im Juli 1691 gewählt. Belegt ist nur, dass die päpstliche Kanzlei um diese Zeit die Datierung ihrer Urkunden umstellte, und selbst das ist unter Fachleuten umstritten. Die Behauptung steht schon im Meyers Konversations-Lexikon der 1880er-Jahre und wird seitdem weitergegeben, inzwischen oft mit dem Zusatz, Innozenz habe den 31. Dezember zum letzten Tag des Jahres gemacht.
„Die Kalenderreform von 1582 verlegte Neujahr auf den 1. Januar.“
Falsch. Die Bulle Inter gravissimas regelt Schaltjahre und Ostern. Den Jahresbeginn erwähnt sie nicht.
„Caesar verlegte den Jahresbeginn vom 1. März auf den 1. Januar.“
Vereinfacht. Die Konsuln traten schon seit 153 v. Chr. am 1. Januar an. Caesars Kalender übernahm diesen Termin rund hundert Jahre später.
„Die Babylonier erfanden die Neujahrsvorsätze.“
Unbelegt. Oft heißt es, die Babylonier hätten zum Neujahrsfest gelobt, ihre Schulden zu begleichen. Einen Textbeleg nennen diese Darstellungen nicht.
Häufige Fragen
Zum JahresbeginnSeit wann ist Neujahr am 1. Januar?
In Rom seit 153 v. Chr., als die Konsuln erstmals an diesem Tag antraten. Im deutschen Raum setzte sich der 1. Januar nach den Jahresanfängen des Mittelalters im 16. Jahrhundert wieder durch.
Wer hat den 1. Januar als Neujahr festgelegt?
Keine einzelne Person. In Rom war es ein Beschluss über den Amtsantritt der Konsuln, später legten Städte und Herrscher den Jahresbeginn fest, in Frankreich etwa 1564, in England 1752.
Hat Papst Gregor XIII. Neujahr auf den 1. Januar gelegt?
Nein. Seine Kalenderreform von 1582 regelte die Schaltjahre und das Osterdatum, nicht den Jahresbeginn.
Warum heißt der Januar Januar?
Die antike Überlieferung verbindet ihn mit Janus, dem römischen Gott der Tore und Anfänge.
Quellen
Worauf diese Seite beruht- Livius, Periochae 47
- Fasti Praenestini, Eintrag zum 1. Januar
- H. Grotefend: Zeitrechnung des deutschen Mittelalters und der Neuzeit, Glossar
- Calendar (New Style) Act 1750
- A. Lenoble: Note sur l'édit de Paris de 1563, Bibliothèque de l'École des chartes, 1841
- Inter gravissimas, englische Übersetzung
- S. Wolf: Einführung des Gregorianischen Kalenders in Bayern, Historisches Lexikon Bayerns
- Pope Innocent XII und Bulls and Briefs, Catholic Encyclopedia
- Meyers Konversations-Lexikon, 4. Auflage, Artikel Ära
- SRF: Alter Silvester
Fotos: Unsplash (Salvatore Favata, Embla Munk Rynkebjerg, Peter Bryan, Behnam Norouzi). Fasti Praenestini: Marie-Lan Nguyen, CC BY 2.5, via Wikimedia Commons. As mit Januskopf: Johny SYSEL, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons.

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