Silvester: Ursprung, Bedeutung und Bräuche
Was belegt ist und was nur gern erzählt wirdKurz gesagt: Silvester heißt Silvester, weil Papst Silvester I. am 31. Dezember 335 starb und dieser Tag schon kurz danach als sein Begräbnistag festgehalten wurde. Dass das Jahr am 1. Januar beginnt, geht auf die Römer zurück: Seit 153 v. Chr. traten die Konsuln an diesem Tag ihr Amt an. Als Name für den letzten Tag des Jahres ist „Silvester“ im Deutschen erst seit dem 18. Jahrhundert belegt.
Viele Bräuche rund um den Jahreswechsel sind jünger, als sie wirken, und manche Erklärung wird seit Jahren abgeschrieben, ohne dass sie sich belegen lässt. Auf dieser Seite trennen wir, was Quellen belegen, von dem, was Legende ist. Die Quellen stehen am Ende der Seite.
Von der Redaktion von silvester.in, zuletzt aktualisiert am 29. September 2026




Warum heißt Silvester Silvester?
Papst Silvester I., der 31. Dezember 335 und die Legenden um Kaiser Konstantin.

Warum ist Neujahr am 1. Januar?
Von den römischen Konsuln bis zur Kalenderreform: wie der 1. Januar zum Jahresbeginn wurde.

Frohes neues Jahr in anderen Sprachen
Neujahrsgrüße in mehr als hundert Sprachen.
Kurz erklärt: Woher Silvester kommt
Eine Zeitleiste153 v. Chr.: In Rom treten die Konsuln erstmals am 1. Januar ihr Amt an. Bis dahin begann das Kalenderjahr im März.
45 v. Chr.: Der Kalender von Julius Caesar tritt am 1. Januar in Kraft und behält diesen Jahresbeginn bei.
31. Dezember 335: Papst Silvester I. stirbt in Rom.
354: Ein Verzeichnis der römischen Bischofsbegräbnisse nennt den 31. Dezember als Silvesters Begräbnistag.
Mittelalter: Das Jahr beginnt je nach Ort an Weihnachten, am 25. März, am 1. März oder zu Ostern.
16. Jahrhundert: Im deutschen Raum setzt sich der 1. Januar als Jahresbeginn durch.
1582: Papst Gregor XIII. reformiert den Kalender. Den Jahresbeginn regelt die Reform nicht.
1700: Die protestantischen Gebiete Deutschlands übernehmen den neuen Kalender.
18. Jahrhundert: „Silvester“ ist als Name für den letzten Tag des Jahres belegt.
1939: Die Wiener Philharmoniker geben am 31. Dezember das Konzert, aus dem die Tradition des Neujahrskonzerts hervorgeht.
1952: Die Pummerin des Wiener Stephansdoms läutet erstmals das neue Jahr ein.
1972: „Dinner for One“ läuft seitdem jedes Jahr an Silvester im deutschen Fernsehen.
1977: Die Sprengstoffverordnung beschränkt das private Feuerwerk auf Silvester und Neujahr.
Wie der 1. Januar zum Jahresbeginn wurde, lesen Sie ausführlich unter Warum ist Neujahr am 1. Januar?
Stimmt das?
Verbreitete Irrtümer im Faktencheck„Papst Silvester hat das Neujahrsfest eingeführt.“
Falsch. Sein Todestag fiel zufällig auf den 31. Dezember. Mit dem Jahreswechsel hatte er nichts zu tun.
„Papst Innozenz XII. legte 1691 den 31. Dezember als letzten Tag des Jahres fest.“
Falsch. Einen solchen Erlass gibt es nicht, Innozenz wurde erst im Juli 1691 gewählt. Belegt ist nur, dass die päpstliche Kanzlei um diese Zeit die Datierung ihrer Urkunden umstellte. Die Behauptung steht schon in Lexika des 19. Jahrhunderts und wird seitdem weitergegeben.
„Papst Gregor XIII. hat 1582 Neujahr auf den 1. Januar gelegt.“
Falsch. Die Kalenderreform regelte Schaltjahre und Ostern, nicht den Jahresbeginn.
„Caesar verlegte den Jahresbeginn vom März auf den 1. Januar.“
Vereinfacht. Die Konsuln traten schon seit 153 v. Chr. am 1. Januar an. Caesars Kalender übernahm diesen Termin rund hundert Jahre später.
„Mit dem Böllern vertrieben schon die Germanen böse Geister.“
Unbelegt. Zeitgenössische Quellen dafür gibt es nicht. Die ältesten Zeugnisse zu den Rauhnächten aus dem 16. Jahrhundert beschreiben das Räuchern mit Weihrauch, von Lärm ist dort keine Rede. Die Deutung als germanisches Erbe stammt aus der Volkskunde des 19. Jahrhunderts.
„Böllerschießen gibt es seit 1377.“
Unbelegt. Die Jahreszahl lässt sich keiner Quelle zuordnen. Belege für den Brauch gibt es seit dem 17. Jahrhundert.
„Bleigießen ist seit April 2018 verboten.“
Ungenau. Bleihaltige Sets dürfen seit dem 1. März 2018 nicht mehr an Privatleute verkauft werden. Mit Wachs oder Zinn geht der Brauch weiter.
„Schon die Babylonier gelobten zum Neujahr, ihre Schulden zu bezahlen.“
Unbelegt. Die Geschichte wird oft erzählt, einen Textbeleg nennt keine dieser Darstellungen.
„Die zwölf Trauben um Mitternacht gehen auf eine Traubenschwemme von 1909 zurück.“
Legende. Belegt ist der spanische Brauch schon in den 1890er-Jahren. Die Traubenschwemme ist nicht belegt.
Glücksbringer
Beliebt, aber selten erklärt


Zum Jahreswechsel verschenkt man in Deutschland, Österreich und der Schweiz gern kleine Glücksbringer. Woher sie kommen, ist oft weniger klar, als es klingt:
Glücksschwein: Als Neujahrsgeschenk ist das Schwein erst seit etwa 1900 nachweisbar. Die Redewendung „Schwein gehabt“ wird meist mit dem Schwein als Trostpreis bei Schützenfesten erklärt. Das ist die am besten belegte Deutung.
Schornsteinfeger: Dass er Glück bringt, erklärt der Berufsverband damit, dass saubere Schornsteine Brände verhüten. Eine historische Quelle dafür gibt es nicht.
Kleeblatt: Vierblättriger Klee ist eine seltene Wuchsform, das macht ihn besonders. Die Geschichten dazu, etwa um Eva oder den heiligen Patrick, sind Legenden.
Fliegenpilz und Hufeisen gelten als Glückszeichen. Eine belegte Herkunft haben beide nicht.
Linsen und Karpfenschuppen stehen für Geld, weil sie an Münzen erinnern. Ideen für das Essen finden Sie unter Silvester-Essen.
Die Geschichte, ein Zuckerbäcker habe 1756 als Soldat Friedrichs des Großen den Berliner erfunden, ist übrigens ebenfalls eine Legende. In Fett gebackenes Hefegebäck gab es in Norddeutschland schon im 16. Jahrhundert.
Silvester in Deutschland, Österreich und der Schweiz
Feuerwerk, Fernsehen und alte BräucheFeuerwerk
Privates Feuerwerk ist in Deutschland jünger, als viele denken. Frei verkäufliches Kleinfeuerwerk gab es schon im frühen 20. Jahrhundert, zum Massenbrauch wurde es in den Jahren des Wirtschaftswunders. Seit der Sprengstoffverordnung von 1977 dürfen Erwachsene es nur am 31. Dezember und 1. Januar zünden. Verkauft wird es vom 29. bis 31. Dezember, fällt einer dieser Tage auf einen Sonntag, schon ab dem 28. Viele Städte richten zusätzlich Verbotszonen ein. Mehr unter Silvesterfeuerwerk.
Bleigießen
Seit dem 1. März 2018 dürfen bleihaltige Sets in der EU nicht mehr an Privatleute verkauft werden, weil Blei als fortpflanzungsgefährdend eingestuft ist. Die alten Sets bestanden zu rund 70 Prozent aus Blei. Heute gießt man mit Wachs oder Zinn. Weitere Ideen für den Abend daheim finden Sie unter Silvester zu Hause.
Dinner for One
Der Sketch des britischen Autors Lauri Wylie ist seit 1934 auf der Bühne belegt. Der NDR zeichnete ihn 1963 in Hamburg auf, seit 1972 läuft er jedes Jahr an Silvester. Im britischen Fernsehen war er landesweit erst an Silvester 2018 zu sehen.
Österreich: Pummerin und Donauwalzer
Seit Silvester 1952 läutet die Pummerin des Wiener Stephansdoms das neue Jahr ein, danach spielt der ORF den Donauwalzer. Am Neujahrstag folgt das Konzert der Wiener Philharmoniker. Es geht auf ein Konzert am 31. Dezember 1939 zurück, dessen Erlös an das nationalsozialistische Kriegswinterhilfswerk ging. Mehr unter Silvester in Wien.
Schweiz: Silvesterchlausen
Im Appenzeller Hinterland ziehen am 31. Dezember und noch einmal am 13. Januar, dem „Alten Silvester“ nach dem julianischen Kalender, die Silvesterchläuse von Hof zu Hof. Schon 1663 versuchte ein Sittenmandat, das Chlausen zu verbieten. Mehr unter Silvester in der Schweiz.
Norddeutschland: Rummelpott
In Schleswig-Holstein ziehen Kinder an Silvester mit dem Rummelpott, einer Art Brummtopf, von Tür zu Tür und singen. Das Instrument ist in den Niederlanden schon im 16. Jahrhundert abgebildet, in Schleswig-Holstein reicht der Brauch vermutlich bis ins 17. Jahrhundert zurück.
Häufige Fragen
Silvester kurz erklärtWarum heißt Silvester Silvester?
Weil Papst Silvester I. am 31. Dezember 335 starb. Sein Begräbnistag ist schon im Jahr 354 verzeichnet. Als Name für den letzten Tag des Jahres ist „Silvester“ im Deutschen seit dem 18. Jahrhundert belegt.
Seit wann beginnt das Jahr am 1. Januar?
In Rom seit 153 v. Chr., als die Konsuln erstmals an diesem Tag antraten. Im Mittelalter begann das Jahr vielerorts an anderen Tagen. Im deutschen Raum setzte sich der 1. Januar im 16. Jahrhundert wieder durch.
Schreibt man Silvester oder Sylvester?
Den Tag schreibt man laut Duden nur mit i. Als Vorname gibt es beide Schreibweisen.
Warum zündet man an Silvester Feuerwerk?
Eine gesicherte Ursprungsgeschichte gibt es nicht. Die oft erzählte Erklärung, schon die Germanen hätten mit Lärm Geister vertrieben, ist nicht belegt. Als Massenbrauch ist das private Feuerwerk eine Erscheinung des 20. Jahrhunderts.
Ist Bleigießen verboten?
Der Verkauf bleihaltiger Sets an Privatleute ist in der EU seit dem 1. März 2018 verboten. Mit Wachs oder Zinn geht der Brauch weiter.
Quellen
Worauf diese Seite beruht- J. P. Kirsch: Pope St. Sylvester I, Catholic Encyclopedia, 1912
- Silvester I., Ökumenisches Heiligenlexikon
- Silvester, Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache (DWDS)
- Livius, Periochae 47
- H. Grotefend: Zeitrechnung des deutschen Mittelalters und der Neuzeit, Glossar
- Erste Verordnung zum Sprengstoffgesetz, §§ 22–24
- Lead REACH Consortium: New restrictions affect lead from March 1, 2018, 23.01.2018
- NDR: Dinner for One, 30.12.2025
- Erzdiözese Wien: Pummerin läutet zu Silvester gleich zwei Mal, 29.12.2017
- Wiener Philharmoniker: Neujahrskonzert, Tradition und Geschichte
- ORF Wien: Schwein gehabt: Museum zeigt Glücksbringer, 31.12.2018
- Landesportal Schleswig-Holstein: Rummelpottlaufen
- Universität Innsbruck: Rauhnacht, Datenbank Feste und Bräuche
Fotos: Unsplash (Marcel L., Leonard von Bibra, Gabi Miranda, Bozhin Karaivanov, William Warby, Shakib Uzzaman, Nick Castelli, Salvatore Favata)

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